Lehrgebiete

Das Fach mittelalterliche Philosophie umfasst diejenige Epoche (5.-16. Jahrhundert) der abendländischen Philosophie, in welcher jene für das Christentum und die Philosophie überaus fruchtbare Auseinandersetzung stattgefunden hat, die das abendländische Selbstbewusstsein bis zur Gegenwart bestimmt. Die Konfrontation zwischen der Rationalität der griechischen Antike und jüdisch-christlich-islamischem Glauben hat die philosophischen Fragestellungen verändert, indem sie neue Horizonte und Perspektiven eröffnet hat; andererseits hat sich durch diese Konfrontation auch das christliche Selbstbewusstsein gewandelt. Es ist die Aufgabe der Philosophiegeschichte, diese Entwicklung und ihren Zusammenhang mit den sozialen, ökonomischen und kulturellen Phänomenen darzustellen und sie für das Verständnis des heutigen Denkens fruchtbar zu machen.

Die Ontologie und die Metaphysik als Teilbereiche der systematischen Philosophie behandeln jene Grundfragen der Philosophie, in denen die kritische Vernunft versucht, sich über die letzten Voraussetzungen Rechenschaft abzulegen. Wenn die beiden Disziplinen in dieser Weise ausgelegt werden, dann gehört nicht nur das sog. Seinsproblem zu ihrem Fachbereich, sondern ebenso das Problem von Sein, Denken und Sprache.
In der heutigen Zeit kann Metaphysik nur im Rückgriff auf ihre vielgestaltige Geschichte verstanden werden, d.h. als kritische Auseinandersetzung mit dem Erbe metaphysischer Tradition, das weder pauschal verworfen werden kann noch unbefragt wiederholt werden darf. Die regelmässigen Veranstaltungen zu Themen der Ontologie und der Metaphysik, welche im Rahmen des Lehrstuhles angeboten werden, verstehen sich als ein Stück Aufklärung im Sinne von Traditionskritik und Traditionsbewahrung.


Schwerpunkte der Lehre und Forschung

In Studium und Unterricht mittelalterlichen Denkens wird besonderes Gewicht auf die zweite Hälfte des 13. und auf den Anfang des 14. Jahrhundert gelegt. Denker wie Thomas von Aquin, Gilles von Rom, Petrus Johannes Olivi oder Dietrich von Freiberg haben Systeme von grosser philosophischer Bedeutung ausgearbeitet. Diese können als stellvertretend für die wichtigsten Ergebnisse angesehen werden, die aus der Interaktion von Philosophie und Theologie resultierten.
Das vierzehnte Jahrhundert, gekennzeichnet durch Philosophen wie Meister Eckhart, Dante Alighieri, Duns Scotus oder Wilhelm von Ockham, stellt in vieler Hinsicht einen Wendepunkt im mittelalterlichen Denken dar: die Arbeiten dieser Denker, die zugleich die vorausliegenden Überlegungen aufgreifen und einen Bruch mit ihnen markieren, öffnen wichtige Perspektiven auf die Moderne.
Der Lehrstuhl ist am internationalen Projekt einer Werkausgabe von Franciscus von Marchia beteiligt und wirkt mit an den Arbeiten der Sammlung "Vestigia. Studien und Dokumente antiker und mittelalterlicher Philosophie" (Academic Press, Fribourg) und der Sammlung "Dokimion" (Reihe zur "Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie").


Es bestehen Austausch- und Zusammenarbeitskonventionen zwischen dem Lehrstuhl und mehreren europäischen Universitäten (siehe die Austauschprogramme des Mobilitätsdienstes der Universität Freiburg).

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Mittelalterliche Philosophie und Ontologie