Edition des Werkes "Agreste otium" von Martin Le Franc (um 1408–1461)

Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Ernst Tremp

Mitarbeiter: Raphael Schwitter

Projektdauer: Schweizerischer Nationalfonds / Monumenta Germaniae Historica, München, Laufzeit: 1. 12. 2013–30. 11. 2016

Projektbeschreibung:

Geboren in der Normandie um 1408, wirkte Martin Le Franc am savoyischen Hof unter den Herzögen Amadeus VIII. und Ludwig I. Nach der Wahl Amadeus' VIII. zum Gegenpapst Felix V. wurde Le Franc 1440 dem Basler Konzil inkorporiert, hier spielte er bei der Beendigung des Schismas eine Rolle. Er war u. a. Domherr und seit 1443 Dompropst von Lausanne. Le Franc ist vor allem als Verfasser französischsprachiger Werke bekannt. Sein berühmtestes Werk ist die enzyklopädische Versdichtung "Le Champion des Dames" (1442), die er Herzog Philipp dem Guten von Burgund widmete. Weiter schuf er "Estrif de Fortune et Vertu" (1447/48), ein Streitgespräch in Prosa zwischen der Schicksalsgöttin und der Tugend.
Nach dem Tod seines Förderers Herzog Amadeus' VIII. verfasste Le Franc vermutlich im September 1451 in der Nähe von Genf "Agreste otium". Das in Latein geschriebene Werk ist ein Dialog resp. Trialog zwischen dem Autor und zwei Freunden, Jean Bertonneau und Pierre de Héronchel, über die Endphase des Basler Konzils sowie über Frankreich im letzten Jahrzehnt des Hundertjährigen Kriegs. "Agreste otium" bietet keine historische Darstellung im engeren Sinn. Der Dialog ist vielmehr ein Denkmal für den Autor, der als Zeitgenosse das Geschehen im Gespräch mit Freunden erörtert.
"Agreste otium" steht in der Tradition von Platons Dialogen und enthält eine Fülle von Zitaten oder Anspielungen aus Werken antiker Autoren. Der bisher unbekannte und noch nicht herausgegebene Gelehrtendialog des savoyischen Hofbeamten und Lausanner Prälaten ist ein bedeutendes Werk des französischen Frühhumanismus und eine wichtige Stimme des Spätmittelalters aus der welschen Schweiz. Mit der kritischen Edition von "Agreste otium" ist der jetzige Schweizer Stipendiat bei den Monumenta Germaniae Historica in München, Rafael Schwitter, betraut worden.