sCRINIUM FRIBURGENSE

Band 7

Bruno Boerner

Par caritas par meritum
Studien zur Theologie des gotischen Weltgerichtsportals in Frankreich -
am Beispiel des mittleren Westeingangs von Notre-Dame in Paris

Freiburg/Schweiz, 1998, 360 S., 76 Abb. und 26 Tafeln
ISBN 3-7278-1131-5


Die Studie beschäftigt sich mit der ikonographisch-theologischen Interpretation hochgotischer Skulpturenzyklen in Frankreich. Dabei hat die Tatsache, dass die Kathedralbezirke zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Zyklen (im 12./13. Jahrhundert) die bedeutendsten Institutionen für philosophische und theologische Studien beherbergten, das methodische Vorgehen der Untersuchung wesentlich mitbestimmt. In ihrem Mittelpunkt steht daher Notre-Dame in Paris, deren Schule zu diesem Zeitpunkt zur meinungsbildenden theologischen Institution der lateinischen Christenheit avancierte. An jener Kathedrale wurde mit dem Weltgericht des mittleren Westportals (entstanden um 1210-1230/40) ein Skulpturenprogramm entwickelt, das zu den tiefgreifendsten und einflussreichsten Neuerungen gehört, welche die Ikonographie des Mittelalters hervorgebracht hat. Da massgebliche Pariser Doktoren der Theologie auch hohe Ämter im dortigen Kathedralkapitel, das letztlich für den Kathedralbau und dessen figürliche Ausgestaltung verantwortlich war, bekleidet haben, werden deren Schriften ausgiebig analysiert, um das Programm des Pariser Weltgerichtsportals zu entschlüsseln. Dabei stellt sich heraus, dass das Pariser Gerichtsbild nicht eine narrative Darstellung der eschatologischen Ereignisse sein will. Vielmehr spielen die aktuellsten Themen der zeitgenössischen Theologie, wie Anthropologie, Tugend-, Buss-, Gnaden- und Verdienstlehre, in diesem Bildprogramm eine tragende Rolle. Dessen Absicht ist es schliesslich, die Wesensverbundenheit zwischen Erlösung und endzeitlicher Vollendung offenzulegen und dabei die eschatologischen Implikationen von Tugendlehre, Christologie, Gnaden- und- Verdienstlehre, theologischer Anthropologie usw. zu veranschaulichen.