Wolfgang Stammler Gastprofessur
FÜr Germanische Philologie

 

Heft 21

Jean-Claude Schmitt
L'histoire en lignes et en rondelles. Les figures du temps chrétien au Moyen Âge

Freiburg/Schweiz 2015, 84 S. 45 Abb.
ISBN 9783954900398, brosch.

Die Frage nach der Zeit steht im Zentrum der Definition von Geschichte als Geisteswissenschaft. Aber was bedeutet die Zeit für einen Historiker? Die Zeit ist der zwangsläufige Träger von evolutionären Phänomenen, die der Historiker untersucht und zu erklären versucht, die er aber viel seltener selbst zum Objekt seiner Reflexionen macht. Und wenn doch, dann fragt er sich: Was ist Zeit? Was die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft? Die Dauer, das Ereignis, das Datum, das Jahrhundert? Wie ist das Verhältnis zwischen der Zeit der Geschichte und der Zeit der Erinnerung?
Die historische Dimension des Ganzen: Was sind die Konzeptionen und die Repräsentationsweisen der Zeit in den vergangenen Gesellschaften? Wie haben die Menschen die Zeit in den vorausgegangenen Zivilisationen gemessen? In welchen zeitlichen Massstäben haben sie ihre täglichen Aktivitäten rhythmisiert? Wir leben heute in einer globalisierten Zeit, mit einer universellen Uhrzeit, gemessen mit den gleichen atomaren Techniken, die immer genauer werden, wohingegen früher der Bereich der Ausdehnung der Zeiterfassung und der Kalender die räumlichen Grenzen eines einzelnen Volkes, einer Kultur, eines Königreiches nicht überschritten haben. Die Fragen bezüglich der Zeit sind in unserer heutigen Gesellschaft entscheidend. Deshalb ist es umso wichtiger, sie in einer Geschichte zu verorten, die sich aufmerksam den technischen Veränderungen der Zeitmessung, den Konzepten und jeglichen erdachten und abgebildeten Zeit-Formen in der Vergangenheit widmet. Dazu möchte die vorliegende Publikation mit einer Analyse der mittelalterlichen Darstellungsweisen von Zeit einen Beitrag liefern.