Freiburger Colloquium 2009

ReprÄsentationsformen und Konzeptionen des Raums in der Kultur des Mittelalters

19. - 21. Oktober 2009

Konzept

Der Raum - zugleich Umgebung, Behältnis und zu überschreitende Grenze - bestimmt zutiefst die menschliche Erfahrung. Das gilt ebenso für die Kultur: jede Zivilisation entsteht in Beziehung zu einem oder mehreren spezifischen Räumen. Obwohl universal zu verstehen, entfaltet sich der Bezug zum Raum je nach den Auffassungen, welche Harmonie oder Gegensätze einer bestehenden Kultur ausdrücken und die sich entsprechend ihrer Eigenart, der erfahrenen Einflüsse oder der jeweiligen Interessen unterscheiden. Die wissenschaftliche Rekonstruktion des Raumverständnisses einer bestimmten Kultur und Epoche verlangt eine differenzierte Annäherung und ebensolche Kompetenzen, welche nur ein interdisziplinäres Ansatz leisten kann.

Im Laufe der letzten Jahre ist die Dimension des Raumes in der mittelalterlichen Kultur wiederentdeckt worden, was sich in zahlreichen Forschungsprojekten und Publikationen deutlich offenbart. Unter den zuletzt erschienenen sind hervorzuheben: Raum und Raumvorstellungen im Mittelalter (hg.v. J. A. Aertsen - A. Speer, Berlin 1998), Raumerfassung und Raumbewusstsein im späteren Mittelalter (hrsg.v. P. Moraw, Stuttgart 2002), Uomo e spazio nell'alto Medieoevo (Spoleto 2003), Virtuelle Räume. Raumwahrnehmung und Raumvorstellung im Mittelalter (hg. v. E. Vavra, Berlin 2005), Constructions de l'espace au Moyen Age: pratiques et représentations (Paris 2007). Diese Publikationen haben mit ihren gleichermassen historischen, soziologischen und philosophischen Ansätzen dazu beigetragen, in vielerlei Hinsicht neue und wichtige Erkenntnisse zu gewinnen.

Diese Vorstösse haben zwar zahlreiche neue Perspektiven eröffnet, aber es bleibt noch immer ein weites Feld zu erforschen. Das Ziel dieses Kolloquiums ist es, die Forschung und den interdisziplinären Dialog fortzusetzen und insbesondere die Bedeutung des Begriffs sowie die Erfahrung des Raumes in der Kultur des lateinischen Mittelalters zu ergründen.

Das Kolloquium versucht einen Dialog zwischen den folgenden Disziplinen zu fördern: Geschichte (soziale und politische Praxis des Raumes), Philosophie (Theorie des Raumes und des Ortes, ihre Quellen und ihre Entwicklung), Kunstgeschichte (Darstellung des Raums in der Malerei und der Architektur), Geographie (Organisation der Territorien, Kartographie), Literatur und Linguistik (literarische Darstellungen, Gebrauch der Sprachen in unterschiedlichen Gebieten), Politik und Kirchenpolitik (Raum zur Machtausübung), Mentalitätsgeschichte (Bezug zu profanem und sakralem Raum) und Musik (musikalische Intervalle, Räume der Stille).

Ganz im Sinne des offenen und interdisziplinären Geistes der das Mediävistische Institut der Universität Freiburg kennzeichnet, möchte das Kolloquim international anerkannte Spezialisten zusammenbringen, die sich in ihren Fachbereichen mit der Erforschung des Mittelalters auseinandersetzen. Die Akten des Kolloquiums werden in der institutseigenen Reihe Scrinium Friburgense beim Walter de Guyter Verlag (Berlin/New York) herausgegeben