Wolfgang Stammler Gastprofessur
FÜr Germanische Philologie

 

Cahier 18

Johannes Janota
Ich und sie,
du und ich. Vom Minnelied zum Liebeslied

Berlin/New York 2009, 51 p.
ISBN 978-3-11-021776-6 Brosch.

Die Untersuchung fragt nach den Faktoren, die zur Ablösung des Minnelieds durch das Liebeslied geführt haben, das seit dem Mönch von Salzburg und in den Liederbüchern des 15./16. Jahrhunderts zum vorherrschenden Typ der Liebeslyrik geworden ist. Es kann gezeigt werden, dass der literarhistorisch und poetologisch weitreichende Wechsel zwischen diesen beiden Liedtypen im Zusammenhang mit spezifischen Veränderungen des literarischen Gattungssystems während des 14. Jahrhunderts gesehen werden muss. Dabei spielt der fulminante Aufschwung der Minnerede eine wichtige Rolle. Nicht minder wichtig waren formale Neuerungen, die überhaupt erst die Möglichkeit für den Wechsel vom Minnelied zum Liebeslied neuer Prägung eröffneten. Diese Neuerungen reichen bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts zurück und dokumentieren nach dem Minnesang eine zweite Rezeption romanischer Strophen - und Liedmodelle. Schließlich wird auf gesellschaftliche Aspekte hingewiesen, die zur raschen Übernahme des zunächst vor allem in Klerikerkreisen entwickelten Liebesliedes insbesondere durch den Landadel und die städtische Oberschicht führten. Hier stand nicht mehr das literarische Werbungsspiel   ad infinitum   im Mittelpunkt, sondern die Ehe als soziales Ziel der Werbung.