BÜcher und IdentitÄten. Literarische Reproduktionskulturen der Vormoderne

Sous la direction du : Prof. Dr. Eckart Conrad Lutz

Colaborateurs: Dr. Nicole Eichenberger, lic.phil. Béatrice Gremminger, Stephan Lauper M.A., Prof. Dr. Eckart Conrad Lutz, Dr. Christine Putzo MER (Lausanne)


Durée: 2015 - 2018

Die Materialitätsforschung der letzten Jahrzehnte hat den Blick auf die Bedeutung des Buches als Objekt gelenkt. Das Forschungsprojekt schliesst hier an, setzt aber einen neuen Akzent durch die Erweiterung der Perspektive auf die Gesamtheit des historisch-situativ gefassten Reproduktionsprozesses, in dessen Zentrum das vormoderne Buch als greifbarer Bündelungs- und Brechungspunkt steht.
Bei der (Re-)Produktion eines Textes im Buchkörper verdichten sich historisch konkrete Gegebenheiten und Interessen, kulturelle Vorstellungen und literarische Diskurse, die den Produzenten räumlich-zeitlich begrenzt umgeben und beeinflussen; sie werden im Vorgang der Text- und Buchwerdung aufgenommen, gebrochen und transformiert. In diesem Prozess spielt die Identität des Produzenten eine zentrale Rolle: Einerseits prägt sie die spezifische Gestaltung des Buches, andererseits kann er sie durch verschiedene Modi der Inszenierung, Markierung oder Kaschierung von Autorschaft gezielt konstruieren.
In seiner so geschaffenen, situativ bedingten und zugleich historisch einmaligen materiellen Gestalt wirkt der Text bei seiner Aufnahme durch die jeweiligen historischen Rezipienten auf seine Umgebung zurück, indem er an deren je eigener Lebenswirklichkeit partizipiert. Das Buch schafft Anschlussstellen für die Identitätsprofilierung der Rezipienten, die es vor einem bestimmten Erwartungshorizont benutzen. Die Wirkung auf die Rezipienten kann, muss aber nicht der Intention des Produzenten entsprechen. Rezeptionsvorgänge, die alternatives Sinnpotential freisetzen, können in neue, anders akzentuierte Reproduktionsprozesse münden.
Die so gefassten literarischen Reproduktionskulturen werden im Projekt anhand von Fallbeispielen über eine breite historische Zeitspanne vom 14. bis zum frühen 17. Jahrhundert analysiert. Vgl. https://lettres.unifr.ch/de/sprachen-literaturen/germanistik/mediaevistik/projekte/buecher-und-identitaeten.html