Texte und Bilder – Bildung und GesprÄch. Diagrammatische Strukturen und die Dynamisierung von Wissen und Erfahrung


Leitung: Prof. Dr. Eckart Conrad Lutz

MitarbeiterInnen: Richard F. Fasching, Stephan Lauper, Bettina Peterli
Teilprojekt des NFS "Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen. Historische Perspektiven" Phase 2

Laufzeit: 2009–30. 09. 2013

Konstituierung, Vermittlung und Aneignung eines für Laien bestimmten Bildungswissens gelehrter Provenienz lassen sich an mittelalterlichen Höfen und in höfisch geprägten Milieus in vielfältigen Formen beobachten. Der Transfer ist nur möglich, wo es gelingt, die Adressaten zu erreichen: in ihrer Zusammensetzung heterogene und nur im Kern stabile Gruppen, selten der Schrift, nur zum Teil des Lateinischen kundig. Wo es gelingt, die Voraussetzungen und Bedingungen zu beobachten, unter denen der Text selbst sich ‚entbehrlich' macht, indem er Erkenntnisse ermöglicht, Einsichten erlaubt, die jenseits der Textur (und ihrer materiellen Darstellung) liegen, also unmittelbar an das Sinngefüge, auf das der Text zielt, heranführen, da treten Aspekte (oder Momente) von Medialität in Erscheinung. Das Interesse des Projekts gilt lateinischen und volkssprachigen Texten, die gelehrtes Wissen, Denken und Urteilen in der Absicht präsentieren, sie in mentaler und habitueller höfischer Bildung aufgehen zu lassen. Es gilt genau jenen Eigenschaften dieser Texte (und ihrer Ausstattung in den Überlieferungsträgern), die erkennen lassen, dass und vor allem wie die Zurichtung der Texte auf das Gelingen ihres Aufgehens im Vollzug der Erkenntnis oder Einsicht zielt, gilt also zum einen den ihnen eingeschriebenen Ordnungen und Strukturen, zum andern den Effekten der Spannung und Bewegung, intendierter Lebendigkeit und Dynamik, eben den Bedingungen der Möglichkeit medialer Prozesse. Thomasin von Zerclaere setzt hier traditionelle kosmologische Diagramme ein, bildet sie ab und schreibt seinen Text auf sie hin; er bedient sich ihrer epistemologischen Qualitäten (Projekt Jerjen). Vergleichbare gelehrte Verfahren lassen sich schon bei Baudri de Bourgueil oder Gervasius von Tilbury, besonders aber im historiographischen Kontext beobachten (Projekt Lutz). Es gilt aber auch zu fragen, wie sich Strukturen des Erzählens und Strategien des Vermittelns im spätmittelalterlichen Roman (vor dem Hintergrund von Wolframs ‚Parzival') auf diagrammatisches Denken (im kulturhistorischen wie im medienwissenschaftlichen Sinn) beziehen lassen (Projekt Putzo). Die interne Diskussion dieser Frageansätze wurde an einer Tagung (März 2012) in die aktuelle Diagrammatik-Debatte eingebracht.
Zu den einzelnen Vorhaben siehe: http://lettres.unifr.ch/de/sprachen-literaturen/germanistik/mediaevistik/projekte.html