BÜndnis, Stadt und Staat. Eine vergleichende Untersuchung von Bundessprache, Bundesritualen und Bundespraxis in der stÄdtischen Politik 1250-1550

Projet du FNS du Prof. ass. Regula Schmid Keeling

Collaborateurs: Dr. des. Klara Hübner, lic.phil. Heinrich Speich

Description du projet:

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gingen einzelne Städte hunderte von politischen Verträgen mit adligen, städtischen und kirchlichen Partnern ein. Die verfassungs-, rechts- und politikgeschichtliche Forschung seit dem 19. Jahrhundert hat die unübersehbare Menge solcher Verträge nach unterschiedlichen Kriterien wie Vertragspartner (Städtebünde, Adelsbünde), Vertragsinhalt (Münzeinungen, Landfriedensbündnisse) oder auch aufgrund mehr oder weniger eindeutiger Selbstbezeichnungen (Burgrechte, Bünde) und regionalen Zusammenführungen zu ordnen versucht. Eine systematische Untersuchung der politischen Funktionen dieser Abkommen für die Vertragspartner, die sowohl die gewichtigen Prämissen der Nationalgeschichtsschreibung (die Eidgenossenschaft als "Sonderfall") als auch jene der epochenspezifischen Betrachtung ("Bünde gehören dem Mittelalter, Bündnisse der Neuzeit an") zu überwinden vermag, steht noch aus. Das Projekt Bündnis, Stadt und Staat erfasst und untersucht Einflussfaktoren von Bündnissen und des Handelns im Bündnis auf die politische Entwicklung städtischer Territorialstaaten. Ausgangspunkt sind die Bündnisse der Städte Freiburg i.Ue., Mülhausen i.E., Konstanz und Luzern. Damit erstreckt sich die vergleichende Betrachtung auf Städte, die im 13. Jahrhundert in sehr unterschiedliche rechtliche, politische, wirtschaftliche und sprachliche Netzwerke eingebunden sind. Bis um 1500 werden diese unterschiedlich intensiv in die Schweizerische Eidgenossenschaft integriert; eine Situation, die sich mit der beginnenden Reformation erneut wandelt. Mit Methoden der historischen Semantik sollen zunächst die Bedeutungen geklärt werden, welche die politischen Entscheidungsträger in den einzelnen Städten spezifischen Bündnissen zuwiesen. Ein Unterprojekt befasst sich mit der gegenseitigen Beeinflussung von politischer und theologischer Bundessprache und deren Transfer ins politische Handeln während der frühen Phase der Reformation. Die Verbindung von normativen Vorstellungen und konkreter Aktion wird durch die Analyse der Rituale erreicht, insbesondere während der gegenseitigen Eid- und Versprechensleistung. Schliesslich widmen sich eine Reihe von Detailanalysen kritischen Momenten städtischen Bündnishandelns, zum Beispiel Aufrufe von Bündnispartnern zur Kriegsfolge oder die Rücksichtnahme auf bestehende Verträge beim Abschluss neuer Bündnisse. Damit werden Bündnispraxis und gesellschaftliche Dynamik der Städte in Beziehung gesetzt. Die detaillierte Analyse der Einflussfaktoren städtischer Bündnisse im späten Mittelalter erlaubt es zukünftig, die traditionelle Darstellung der "Entstehung des modernen Staates" kreativ herauszufordern.