Freiburger Colloquium 2006 "Laster im Mittelalter"

20.-22. Februar 2006

Auch Laster haben eine Geschichte. Für Historiker stellt sich die Frage, wie diese in ihrer Zeit beschrieben und verstanden wurden. Laster wurden im Mittelalter systematisch geordnet. Es wurden Hauptlaster bestimmt, die als Wurzel für andere Laster angenommen wurden, welche wiederum neue Laster hervorbringen konnten. Sie wurden einerseits als Sünden verstanden, dienten aber auch ganz allgemein der Beschreibung der menschlichen Leidenschaften und Handlungen. Darstellungen und Beschreibungen von Lastern berührten nahezu alle Bereiche der mittelalterlichen Kultur und die daraus resultierende uferlose Literatur erschliesst nicht selten ein lebendiges Bild der Wünsche und Ängste des mittelalterlichen Menschen, beschreibt aber auch das gesellschaftliche Leben im Mittelalter.

Eine Geschichte der Laster geht von der Feststellung aus, dass sich Laster im Laufe der Zeit immer wieder gewandelt haben. Selbst wenn Lasterkataloge über Jahrhunderte tradiert wurden und sich nur durch geringe - wenn auch signifikante - Änderungen unterscheiden, werden die Vorstellungen der Laster immer wieder mit neuen Inhalten gefüllt und einem neuen Weltbezug angepasst. Die Laster eines Wüstenmönches unterschieden sich von den Lastern eines Theologen an den mittelalterlichen Universitäten. Dasselbe Laster wandelte sich somit im Laufe der Zeit und wurde den Aufgaben und Pflichten der Adressaten angepasst. Die Beschreibung der Laster wandelte sich aber nicht nur im Laufe der Zeit, sondern passte sich auch den jeweiligen Bedürfnissen an. Beichtspiegel, die der Erbauung und der Prüfung der Sünden von Laien dienten, unterscheiden sich von zeitgleichen Abhandlungen in theologischen Summen. Literarische Verarbeitungen in der Volksprache enthalten andere Inhalte als ikonographische Ausdeutungen in der bildenden Kunst.

Das "Freiburger Colloquium 2006" des Mediävistischen Instituts der Universität Freiburg widmet sich in erster Linie der langen Tradition der sieben (bzw. acht) Todsünden. Die geplante Tagung wäre das erste internationale Kolloquium zu diesem Thema. Es würde ermöglichen, aus verschiedenen Fachgebieten unterschiedliche Aspekte auszuleuchten. Die Zahl der eingeladenen Gäste wird auf 14 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen beschränkt, wobei eine Auswahl von international renommierten Fachpersonen für die beantragte Tagung gewonnen werden konnte. Es wurde darauf geachtet, dass verschiedene mediävistische Fachgebiete vertreten sind und nicht nur Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eingeladen werden, die sich auf "Laster" spezialisiert haben, sondern auch Forscher und Forscherinnen angefragt wurden, die zu bestimmten Sachgebieten und Autoren gearbeitet haben, die für unser Thema aufschlussreich sind.